Unerwünschter Begleitton: Vor allem in Ruhe tritt das nervende Rauschen oder Pfeifen besonders unangenehm hervor
Es gibt Aufnahmen von Ohrgeräuschen. Spezialisten haben sie nach den Angaben von Menschen aufgezeichnet, die unter Tinnitus leiden. Denn die Höreindrücke kommen von innen. Es gibt keine äußere Schallquelle dafür. Kein anderer, außer dem Betroffenen selbst, kann sie hören. Häufig sind es hohe Pfeif- und Piepstöne, die entweder ständig im Ohr klingen oder in bestimmten Abständen immer wieder auftreten. Manche Patienten plagt ein Rattern, Zischen, Rauschen oder tiefes Brummen. Andere Tinnitusvarianten gleichen einem vorbeifahrenden Zug oder einer Bohrmaschine. Auch Ohrensausen gehört in die Reihe solch störender Schallempfindungen.
Ohrgeräusche kennt fast jeder. Sie tauchen ganz plötzlich auf, vergehen aber gleich wieder. Bei manchen Menschen nisten sie sich jedoch als Dauertöne in Ohr und Kopf ein und bereiten erhebliches Unbehagen. Solche Geräusche verschwinden sehr oft wieder, vor allem dann, wenn eine Ursache festgestellt und entsprechend behandelt werden kann. Nicht immer lässt sich allerdings ein konkreter Auslöser feststellen.
Tinnitus kann auch chronisch werden. Bei jedem hundertsten Betroffenen ist der Leidensdruck so hoch, dass sich der Tinnitus zu einer Krankheit mit teilweise tiefgehenden Leiden entwickeln kann. Hinzu kommen dann meist noch weitere Begleiterscheinungen wie Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis), Konzentrationsstörungen und Probleme mit den Ein- und Durchschlafen.
Entsprechend unterscheiden die Mediziner unterschiedliche Formen:
Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Deutschland das akute Ohrgeräusch jährlich bei etwa 250.000 Menschen in eine chronische Form übergeht. Rund drei Millionen Bundesbürger haben einen chronischen Tinnitus. Erfreulich: Selbst nach vielen Jahren mit ununterbrochenem Tinnitus klingen bei etwa 20 bis 30 Prozent der Betroffenen die Ohrgeräusche wieder ab.
Tinnitus ist zunächst keine eigenständige Erkrankung, sondern Symptom für unterschiedliche Störungen. Am Anfang stehen meist Schäden und Erkrankungen im Ohr selbst, etwa durch Entzündungen oder starke Lärmeinwirkung. Negativ wirken Dauerstress und psychische Belastungen. Infrage kommen auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, Probleme an der Halswirbelsäule oder in den Kiefergelenken.
Wann zum Arzt?
Nehmen Sie erstmals auftretende Ohrgeräusche ernst und fragen Sie sich, was sie Ihnen sagen wollen. Meist hilft es, sich sofort aus dem aktuellen Geschehen zurückzunehmen und sich zu entspannen. Wenn das ständige Pfeifen, Rauschen oder Summen nach einem Tag nicht verschwunden ist, sollten Sie sich baldmöglichst einen Termin bei einem HNO-Arzt geben lassen, um mit ihm über die Ursachen und einer daraus abgeleiteten Therapie in der akuten Phase zu sprechen (siehe Kapitel „Akuttherapie“).
Treten die Ohrgeräusche danach weiterhin auf, bieten sich mehrere Methoden an – was Ihnen ganz persönlich hilft, können Sie nur durchs Ausprobieren herausfinden (siehe Kapitel „Langzeittherapie“).
Körperliche Ursachen
(siehe Kapitel „Ohrerkrankungen“)
(siehe Kapitel „Weitere Ursachen“)
Seelische Ursachen
(siehe Kapitel „Psyche“)
Da Ohrgeräusche in ganz verschiedenen Formen auftreten können, lässt sich meist keine alleinige Ursache finden. Wissenschaftler haben mittlerweile mehr als 90 Erkrankungen im Hörsystem benannt, die einen Tinnitus im Gehirn verursachen können. Bei einem sogenannten idiopathischen Tinnitus sind keine körperlichen Erkrankungen als Auslöser nachzuweisen.
In den folgenden Kapiteln erfahren Sie mehr dazu, wie Ohrgeräusche entstehen, wie sie sich äußern, welche Ursachen mit verantwortlich sein können und welche Rolle die Psyche spielt. Sie erhalten einen Überblick, welche Therapien – abhängig von der Dauer der Ohrgeräusche – sinnvoll sind und was Sie selbst können, um den Tinnitus besser in den Griff zu bekommen (siehe Kapitelübersicht am Anfang des Textes).
Wichtiger Hinweis:
Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Die Beantwortung individueller Fragen durch unsere Experten ist leider nicht möglich.
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25.02.2009, aktualisiert am 26.03.2012
Bildnachweis: W&B/Winfried Fischer
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